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ASA-Foto-Stories 2016

Fotos, Texte und Kurzfilme zum Thema Bewegungsfreiheit

Fotografie

Prämierte Fotos

Zwei Männer sitzen sich in einem spartanisch eingerichteten Raum an einem Tisch gegenüber, zwischen ihnen ein Laptop. Der Mann links im Bild hat Dreadlocks und Bart und schaut direkt in die Kamera, während der junge Mann rechts im Bild nur halb zu sehen ist und ihn aufmerksam anschaut. Das Bild scheint die Momentaufnahme eines intensiven Gesprächs zu sein.

1. Platz: „Bewegungsfreiheit“, November 2015 in Limache, Chile. Foto und Text: Andreas Demler.

„Bruja – ein chilenischer Systemkritiker, der sein derzeitiges Denken und Handeln der Hinterfragung von Privilegien und Machtstrukturen widmet. Durch intime Einblicke in sein (Innen-)Leben versucht er, zur reflektierten Auseinandersetzung mit Kapitalismus, Klassismus und Kolonialismus anzuregen. Obwohl er (m)eine okzidentale Herkunft samt Kultur, Strukturen und Werten grundsätzlich ablehnt, nimmt er proaktiv Kontakt zur westlichen Welt auf und lädt zum Austausch auf Augenhöhe ein. In der abgelichteten Situation spricht er mit meinem Tandempartner und mir über (s)einen nachhaltigen Weg, sich etwas finanzielle Bewegungsfreiheit zu verschaffen: dem Lehmbau. Das Gespräch schweift von Permakultur über Autokonstruktion hin zu seiner Vision: durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit um dem Naturwerkstoff eine nachhaltige, finanzielle Existenzgrundlage schaffen, um sich so für das alltägliche Überdierundenkommen stark und für seine Ansichten mobil machen zu können.
Langsam glaube ich seine Realität zu verstehen und spüre, dass er sich nicht nur seiner, sondern vor allem auch meiner Bewegungsfreiheit weitaus bewusster ist, als ich selbst: Einer Wirklichkeit mit mehr Privilegien und weniger Hürden. Allein die Möglichkeit in seiner Küche sitzen und an diesem Gespräch teilhaben zu können führt mir die Privilegien meiner Herkunft und die damit einhergehenden, quasi uneingeschränkten und fast selbstverständlichen Freiheiten meines deutschen Passes vor Augen. Nur: Nutze ich sie verantwortungsbewusst und weise?“ (Andreas Demler).

Das gesamte Bild ist ausgefüllt mit kleinen aufgeblähten durchsichtigen Plastiktüten, die zur Hälfte mit Wasser und einem Algenblatt gefüllt sind. In jeder Tüte schwimmen ein oder mehrere Goldfische. Sie haben gerade einmal Platz um sich in der Tüte zu wenden.

2. Platz:„Gefangen“, Dezember 2015 in Hoi An, Vietnam. Foto und Text: Hannah Schmitz.

„Dieses Motiv ist mir an einer Straßenecke begegnet, an der ein Mann Zierfische zum Verkauf anbot. Die Fische waren entweder einzeln oder zusammen in Plastiktüten an eine Halterung seines Mopeds gebunden. Die unnatürliche Begrenzung des Lebensraums dieser Fische spiegelt für mich die Einschnitte der Mobilität wider, die viele Menschen hinnehmen müssen. Wie die Plastiktüten auf dem Bild, fungieren in der menschlichen Welt Staatsgrenzen und Nationalitäten als unsichtbare Grenzen. Auch andere Faktoren beschneiden die Bewegungsfreiheit von Individuen – sei es die eigene Gesundheit oder ökonomische Ressourcen – so dass Menschen in ihren Beschränkungen „gefangen“ sind“ (Hannah Schmitz).

Eine Großstadt, die umgeben von Bergen größtenteils in einem Tal liegt, wird aus der Perspektive einer Seilbahngondel abgebildet. Im Vordergrund des Bildes: Seile und einzelne Gondeln.

3. Platz: „Grenzlinien – Räumlicher Abstieg als sozialer Abstieg“, Juli 2015 in La Paz, Bolivien. Foto und Text: Stefanie Beßler.

„Urbanes Landschaftsbild, geballtes Stadtzentrum, Hochhauslandschaft, architektonische Meisterwerke – das könnte die Beschreibung vieler europäischer Metropolen wie Frankfurt, Paris oder Madrid sein. Sie passt aber genauso gut zum unteren Drittel dieses Bildes, welches die Zona Sur von La Paz in Bolivien zeigt. Etliche moderne Hochhauskomplexe, Bürogebäude und eine riesige Shoppingmall reihen sich entlang bepflanzter Boulevards.

Diese Realität ist jedoch nicht der erste Eindruck, den man aus Reiseführern und von gängigen Reiseberichten über Bolivien oder La Paz bekommt. Darin werden oftmals die Salzwüste, kargen Steppenlandschaften und die „typischen Cholitas“ propagiert. Natürlich ist das auch ein Teil des Landes oder der Stadt, aber eben nicht nur. Diese einseitige Darstellung reproduziert vorgefertigte Bilder, was auch bei der Auseinandersetzung mit diesem Stadtbild klar wird.

Vordergründig dienen die gespannten Drahtseile im Bildvordergrund der öffentlichen Verkehrsverbindung zwischen der höchsten Ebene der Stadt auf über 3800 bis 250 Höhenmetern weiter hinunter in die Zona Sur. Im unteren rechten Bildrand lassen sich Gondelkabinen der Teleférico entdecken - die Seilbahn von La Paz. Sie verbindet die verschiedenen Stadtteile miteinander und soll den Paceños und Paceñas die Fortbewegung erleichtern. Doch trotz der allgemeinen Zugänglichkeit durch erschwingliche Preise, beschränkt sich das Prestige-Projekt des Präsidenten Evo Morales auf die geografische Mobilität der Menschen. Tiefgründiger betrachtet, ist das Leben in der wärmeren Zona Sur der bolivianischen Oberschicht vorbehalten. Somit kann der räumliche Abstieg aus den höhergelegenen Stadtvierteln und dem als „Armenviertel“ bezeichneten El Alto als soziale Vergegenwärtigung der gesellschaftlichen Abgrenzung interpretiert werden.

Dieses Bild ist im Rahmen meines ASA-Aufenthalts 2015 in La Paz bei einer Fahrt in der Teleférico-Seilbahn entstanden. Die Seilbahn ist als Touristenattraktion in zahlreichen Reiseführern beschrieben, da sie wunderschöne Aussichten auf die einzigartige Topografie der Stadt bietet. Dass die Seilbahn zugleich Sinnbild für räumliche und soziale (Im-)Mobilität ist, wird oft nicht sofort bewusst wahrgenommen“ (Stefanie Beßler).

Das Bild wurde hochkant aufgenommen und zeigt den Blick durch das kaputte Gitter eines Fensters auf einen Fluss, an dessen gegenüberliegendem Ufer sich aus allerlei Material zusammengebastelte Slumhütten aneinander reihen. Dahinter zeichnet sich am Horizont die Skyline einer Großstadt ab. Im Vordergrund sieht man unscharf und dunkel den Fensterrahmen und das kaputte Gitter.

3. Platz: : „Vom Küchenfenster aus Grenzen überwinden“, in Manila, Philippinen. Foto und Text: Lisa Wagner

„Das Mittagessen mit den Kollegen ist vorbei, ich räume das Geschirr in die Küche. In einer halben Stunde kommen die Kids, die Afternoon Class, 35 Mädchen und Jungen zwischen zwei und fünf Jahren, die hier die Vorschule besuchen. Die Küche liegt genau über dem Klassenraum, in dem ich jeden Tag die beiden Lehrkräfte unterstütze. Unsere Schule wird finanziert von einer kleinen, philippinischen NRO, die Familien der Kinder müssen keinerlei Geld für den Unterricht, die Materialien oder Schuluniformen bezahlen. Sie liegt mittendrin in dem Teil Metro Manilas, der weithin als „Slum“ bekannt ist, in Balut, im Stadtteil Tondo. In meinem Rücken, auf der anderen Seite des Gebäudes, raucht in diesem Moment der Smokey Mountain, nach dem die Gegend hier benannt ist. Er raucht je nachdem, wie der Wind sich dreht, direkt in meine Klasse, die keine Fensterscheiben mehr hat. Es ist ein Berg aus Müll, wortwörtlich, die ehemalige städtische Müllkippe. Aber jetzt, in der Regenzeit, ist er über und über bewachsen, oben auf dem Berg stehen kleine Häuser. Ein erstaunlich grüner Fleck in dieser Gegend Manilas und man gewöhnt sich an ihn. Beim Blick aus dem Fenster in der Küche dagegen bedeutet die Regenzeit, dass eventuell wieder ein Zuhause einer Familie weggespült wurde. Viele unserer Kids wohnen dort. Im Hintergrund sieht man einen Teil Metro Manilas, der aus hohen, glitzernden Glasgebäuden besteht. Irgendwo dazwischen – nicht nur geografisch gesehen – wohnen mein Tandempartner und ich, in Dimasalang, einem Stadtteil, der für die Eltern unserer Kids erstrebenswert, für die Taxifahrer aus Makati ein no-go ist. Heute nach der Arbeit treffe ich eine Freundin aus Deutschland, die für drei Monate in Makati, dem Wirtschaftszentrum der Philippinen, in der deutschen Botschaft arbeitet. Ich fahre mit der Bahn, sie verbindet, ohne anzuhalten, beide Stadtteile. Einmal stand mein Kollege hier oben neben mir in der Küche, er zeigte durch das Loch im Fliegenschutzgitter nach draußen, in die Ferne: „One day I live there, when I am a rich man.“ Seitdem frage ich mich, ob der das Loch in das Gitter geschnitten hat, um besser raussehen zu können. Er beneidet mich um die Freiheit, mit der ich mich bewege, zwischen Manilas Stadtteilen, zwischen den philippinischen Inseln, auf denen ich in den Schulferien Urlaub gemacht habe, zwischen hier und Zuhause, zwischen den Kontinenten, den Welten. Jeden Tag schaue ich hier raus, aus diesem Schulgebäude, welches ein Symbol sein soll für einen ersten Schritt für die Kids, sich irgendwann, eines Tages, ebenso frei bewegen zu können, von hier weg, bis nach dahinten, zu den Hochhäusern. Ich frage mich immer, was sie da sollen, ganz allein, ohne ihre Familien.“ (Lisa Wagner).

Weitere Einsendungen

Das Bild zeigt zwei Männer, die hintereinander an einer Straße entlang gehen. Der vordere Mann trägt eine große rosafarbene gefüllte Tüte auf dem Kopf und hält einen Stock in der Hand, an dem sich der hintere Mann festhält, der wiederum eine große bunte Tüte an der Hand trägt.

“Follow the Leader“, September 2014 in Kintampo, Ghana. Foto und Text: Sarah Lauren Harris.

„Man könnte argumentieren, dass die visuelle Wahrnehmung der wichtigste Sinn ist. Durch die Augen können wir uns orientieren, uns bewegen und unsere Welt auffassen. Die Augenkrankheiten Katarakt und Glaukom tragen weltweit zur Mehrheit der Blindheitsrate bei (jeweils 51 Prozent und 12Prozent). Katarakt kann mit einer fünfminütigen kostengünstigen Operation geheilt werden. Glaukom – obwohl nicht komplett heilbar – kann medizinisch behandelt werden, um die Blindheit zu vermeiden. Diese zwei Krankheiten sind in vielen Entwicklungsländern immer noch weit verbreitet und bleiben oft unbehandelt. Neunzig Prozent der Blinden leben in Entwicklungsländern wo es selten Blindenhunde, Orientierungs- und Mobilitätstraining, Blindenstöcke, Bodenleitsysteme oder sonstige Hilfsmittel gibt. Die Blindheit hat eine andere Bedeutung wie in entwickelten Ländern; die Bewegungsfreiheit sowie Unabhängigkeit des Betroffenen sind konsequent einschränkt, wenn nicht komplett geraubt. Dieses Bild stellt einen Jungen dar, der seinen Verwandten durch das Dorf Kintampo, Ghana, führt mit der Hilfe eines Stockes, den sie beiden halten“ (Sarah Lauren Harris).

Das Bild zeigt zwei etwa 12-Jährige Jungen bei einem Spiel. Der eine  Junge, blond und weiß, trägt den anderen, schwarzen Jungen in seinen Armen und rennt über eine  Wiese, im Hintergrund ein paar Bäume. Beide Jungen lachen.

„Vertrauenslauf“, Oktober 2015 in Pretoria, Südafrika. Foto und Text: Marlene Gärtner.

„Der 12-Jährige Khutso erinnert sich gut an das Spiel, bei dem das Foto entstand: „It was amazing, I learned so much that day“. Er sitzt auf der Stoep der Campsite, 30 Kilometer von Pretoria und spricht über „Bridges Camp“ und seine neue Rolle als Jugendgruppenleiter. Letztes Jahr, an einem heißen Oktobertag, hat für ihn Vieles begonnen - festgehalten in einem Augenblicksbild, hell und hoffnungsfroh: „I couldn’t connect with people from other groups before I came to Bridges Camp, I thought we are just so different from each other. But the experience with all these teenagers changed my life – completely”. Die Aufgabe war damals zu zweit mit zusammengebundenen Beinen zu laufen. Damion, seinen Teampartner, hatte er am Tag zuvor kennengelernt: Eine Seltenheit, diese Begegnung eines schwarzen Jungen aus Mamelodi und eines weißen Jungen aus Pretoria West – ein Glücksfall. “We had to work as a team but our rope broke and we saw that we are losing, so we made a plan“. Damian nimmt ihn kurzerhand hoch und dann rennen sie gemeinsam auf nur zwei Beinen ins Ziel. “I trusted Damion in this moment, it was a new experience”. Khutsos Botschaft: “When you judge someone based on how he looks, you make this person to have a negative self-esteem. So before you do that always ask yourself: How would I feel?”” (Marlene Gärtner).

Das schwarzweiße Bild im Hochkantformat zeigt den Schatten einer Person mit Wanderstock und Rucksack, der sich auf einer Straße abzeichnet. Um dem Schatten Ausdruck zu verleihen wurde das Bild so gedreht, dass dieser aufrecht geht und die Person, die den Schatten wirft, ist bis auf die Beine und den Arm mit dem Wanderstock abgeschnitten.

„Aus dem eigenen Schatten heraustreten“, November 2015 in Kochi Präfektur, Japan. Foto und Text: Manuela Kordon b. Schmidt.

„Aus dem eigenen Kernschatten heraustreten, Hindernisse, Grenzen überwinden, alte Gewohnheiten ablegen. Das war mein Vorsatz, als ich mich im November nach Japan begab um einen 1200 Kilometer langen Pilgerweg zu Fuss zu absolvieren und mich einer fremden Kultur und Sprache aussetzte. Somit hatte das Wort Pilgern – in der Fremde sein – die richtige Bedeutung. Dazu habe ich alles aufgegeben bzw. gekündigt. Job, Wohnung, Versicherungen etc. Nicht jedem Menschen ist es möglich, seine Lebensweise radikal zu ändern, selbst in stabilen sozialen und politischen Verhältnissen. Dazu braucht es Mut, einen nötigen Leidensdruck, einen Auslöser und einen Zeitpunkt, an dem man den Absprung wagt. Doch sollte wiederum jeder Mensch die Möglichkeit haben, sein Leben zu verändern“ (Manuela Kordon b. Schmidt).

Auf dem Bild sind vorne links eine hockende Person und etwas weiter dahinter und mehr rechts im Bild eine Katze im Profil zu sehen. Sie befinden sich in einem dunklen Raum mit grünem Fußboden und eine von links kommende  Lichtquelle wirft ihre Schatten lang nach vorne und kurz an die dahinter liegende Wand, so dass der Schatten der Person auf die Katze fällt und es so wirkt, als käme er von ihr.

„We are here“, Oktober 2015 in Buenos Aires, Argentinien. Foto und Text: Katharina Michaels.

„Sprechen wir von Freiheit, ist es schwierig, nicht auch von Einschränkungen zu sprechen. Genauso geht es darum, sichtbar zu machen für wen Freiheiten welche Bedeutung haben. Für wen sie existieren und für wen nicht. In dem Bild ist verschwommen eine Person zu sehen, die zwei Schatten wirft. Im Hintergrund sehen wir eine Katze, bedeckt von einem der Schatten. Beide, Katze und Mensch, sind in gebückt-angespannter Haltung, als wollten sie sagen: „we are here and we will fight“. Sie scheinen dazu entschlossen, ihre Position zu verändern, sich zu bewegen. Was das Bild auch verdeutlicht, ist, dass beide sich bewegen können. Unsichtbar sind, wie so oft, die Realitäten derer, deren Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Häufig manifestiert sich an menschengemachten Grenzen die Ungleichheit von Mobilität. Die Absurdität und Willkür ihrer Konstruktion wird grade bei Tieren, die diese nicht beachten, erkennbar. Oder wird Frontex demnächst auch die Vogelmigration verhindern?“ (Katharina Michaels).

Eine Panoramaaussicht auf eine weite grüne Steppe, dahinter Berge, darüber der blaue Himmel und eine große weiße Wolke. Das Bild wurde aus einer Art Aussichtsturm aufgenommen, so dass im Vordergrund das Bild oben und unten durch das Dach und eine Brusthohe Mauer, die ganz im Dunkeln liegen, begrenzt wird. Vorne links steht eine Person mit gelber Mütze an der Mauer, die uns den Rücken zukehrt und in die Weite blickt.

„grenzen.los?!“, Dezember 2015 in Bangem, Kamerun. Foto und Text: Lisa Mindthoff.

„Was siehst du?
Siehst du entGRENZUNG? Siehst du grenzenlose Weite? Unendliche, uneingeschränkte, unerschöpfliche, unermessliche Weite? Siehst du Bewegung?
Was fühlst du?
Fühlst du entGRENZUNG? Spürst du Fernweh? Heimweh? Hast du Träume, Wünsche oder Hoffnung? Loslassen. Gedanken. Sehnsucht. Spürst du Bewegung? Fühlst du Mut? Freiheit.
Oder siehst du beGRENZUNG? Siehst du Barrieren? Einschränkung. Unüberwindbarkeit. Stagnation? Spürst du beGRENZUNG? Spürst du Abgrenzung? Ausgrenzung. Macht. Starre. Fühlst du Enttäuschung? Wut oder Angst? Vorurteile? Beklommenheit. Einsamkeit? Hilflosigkeit? Trotz.
LOS! Überwinden! Überschreiten! Durchbrechen! Aufbrechen! Einreißen! Auflösen! Loslassen! Verändern!“ (Lisa Mindthoff).

Das Bild wurde über die Schulter eines Tuk-Tuk-Fahrers fotografiert, so dass sein Hinterkopf noch unscharf und halb am rechten Bildrand zu sehen ist. Die Straße, die man durchs Fenster sieht, ist ebenso unscharf und der Fokus liegt auf  dem Seitenspiegel, in dem sich das Gesicht einer jungen Frau, die hinter ihm sitzt, spiegelt.

“Ragini’s Perspective”, Januar 2016 in Hyderabad, Indien. Foto und Text: Lena Philipp.

“’Freedom of movement to me is the choice to travel from one place to the other, in rain or sun, through traffic jams and reckless drivers, over speed breakers and potholes, in spite of cows and goats, dogs and humans, with extraordinary patience and a smile on your face and yet, have the energy to bargain with the auto rickshaw driver which of course, makes the whole ride worth it’, Ragini Siruguri.

During my internship at the alternative Vidyaranya High School in Hyderabad in South India I met Ragini Siruguri, a young inspiring woman and graphic designer. She studied earlier at the school. Together we started teaching photography there, became friends, exchanged ideas and travelled a bit.

Während meines Praktikums an der alternativen Schule Vidyaranya High School in Hyderabad in Südindien lernte ich Ragini Siruguri kennen, eine junge inspirierende Grafik-Designerin und ehemalige Schülerin der Schule. Zusammen entschieden wir uns Fotografie zu unterrichten, wurden Freunde, tauschten uns viel aus und reisten auch ein Stück zusammen“ (Lena Philipp).

Das Bild zeigt eine mit braunem Wasser überflutete Straße zwischen grünen Büschen. Auf der Straße laufen vier junge Männer der Kamera entgegen, die  ein Motorrad auf zwei Holzstämmen tragen. Das Wasser reicht ihnen bis zu den Knöcheln und im Hintergrund beobachten einige Menschen die Aktion.

„Geht nicht gibt’s nicht“, August 2015 in Banikoara, Benin. Foto und Text: Charlotte Tobey.

„Im Norden Bénins sind die Straßen häufig in einem so schlechten Zustand, dass sie mit dem Auto nicht befahrbar sind und das Motorrad das einzige motorisierte Verkehrsmittel ist mit dem Dörfer und abgelegene Gebiete – mit Einschränkungen – erreichbar sind. Während der Regenzeit treten Bäche über ihre Ufer und verwandeln die Straßen zu reißenden Strömen. Manchmal vergehen Tage bis bestimmte Strecken wieder passierbar sind. Trotz dieser Einschränkungen lassen sich die BéninerInnen nicht unterkriegen und finden immer einen Weg um voran zu kommen“ (Charlotte Tobey).

Der Blick auf eine Straße, die auf einen Fluchtpunkt am Horizont hinausläuft. Links und rechts am Straßenrand sind Bäume, Häuser, Stände und Menschen, die die Straße entlanggehen oder auf Rollern fahren, zu sehen. Vorne rechts zeigt ein Schild die Straße runter nach Village Bakema. Die Sonne, die gerade hinter den Bäumen untergeht, taucht das Bild in ein warmes Licht.

„Gegenwind“, September 2015 in Dassa-Zoumé, Benin. Foto und Text: Laura Gispert.

„Zim – so nennt man Motorrad-Taxen in Benin. Für mich und viele tausend andere Beniner bedeuten sie Freiheit auf zwei Rädern. Ohne die zuverlässigen Zim-Fahrer wäre ich aufgeschmissen in dem westafrikanischen Land. Denn es gibt keinen staatlich geregelten Nahverkehr innerhalb der Städte und ich habe kein Auto oder Motorrad. Die sogenannten Zims sind schnell, praktisch und flexibel. Von einem bis vier Menschen, über Kühlschränke bis hin zu Regalen können sie alles transportieren. Die Idee hinter den Zims ist einmalig, unglaublich und sehr nachhaltig. Wie das System funktioniert? Private Fahrer organisieren sich, teilen Schichten und Stadtgebiete unter sich auf und bieten Fahrten jeder Länge für kleines Geld an. Die einzige Möglichkeit für die nicht mobile Bevölkerung von A nach B zu kommen. Zims fungieren außerdem als Schulbus. Einige Motorradfahrer-Taxifahrer fahren täglich zur gleichen Zeit die gleiche Route ab und nehmen Schulkinder für umgerechnet 25 Eurocent mit, die sonst zehn Kilometer bis nach Hause laufen müssten. Das Foto habe ich geschossen, als ich auf einem Zim der Sonne entgegen fahre und mir die noch immer warme Luft in´s Gesicht weht. Vor uns und am Straßenrand weitere Zims, die nach neuen Passagieren Ausschau halten“ (Laura Gispert).

Drei Großraumflugzeuge auf einem Flugfeld, darüber ein strahlend blauer Himmel mit ein paar Wölkchen. Zwischen den Flugzeugen gehen ein paar Menschen und es stehen kleine Busse auf dem Flugfeld.

„Open Skies“, Dezember 2015 in Malé, Malediven. Foto und Text: Franz Martin Wagenhäuser.

„Das Bild entstand am Flughafen von Malé (Malediven) und zeigt drei Großraumflugzeuge, die die Inseln im Indischen Ozean mit der weiten Welt verbinden. Flugzeuge sind für mich Inbegriff von Mobilität, mit denen es ein leichtes ist, große Entfernungen, Meere und Grenzen spielend leicht zu überwinden. Kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland verabschiedeten die USA neue Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige, die besagen, dass Reisende, die innerhalb der letzten 5 Jahre im Iran waren, vom Visa Waiver Programm ausgeschlossen werden und fortan nun ein Visum zur Einreise in die USA brauchen. Ohne konkrete Reiseabsichten in das Land zu haben, fühlte ich mich in meiner Reise‐ und Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt, da von dieser Regelung auch Flüge via den USA betroffen sind, on den zusätzlichen Kosten und dem Mehraufwand ganz zu schweigen. Kurz danach erschien der aktuelle Visa Restrictions Index und der Deutsche Pass wurde zum wertvollsten Pass der Welt gekürt, da dieser die visafreie Einreise in 177 Länder erlaubt. Schlagartig fühlte ich mich schlecht. Ich kann weiterhin in 176 Länder reisen, während StaatsbürgerInnen der Malediven lediglich in 80 Länder visafrei reisen können“ (Franz Martin Wagenhäuser).

Im Vordergrund sind angeschnitten ein Gittertor und Schild zu sehen, dahinter eine Straße auf der ein Mensch geht. Am Straßenrand ein Fahrrad, ein paar Autos, Bäume und ein Gebäude.

„Grenzen der Bewegungsfreiheit“, November 2015 in Paga, Ghana. Foto und Text: Inger Witzenhausen.

„Grenzübergänge sind für mich symbolisierte Grenzen der Bewegungsfreiheit. Dieses Bild ist an der Grenze von Ghana nach Burkina Faso entstanden. Für einige ist eine Grenze alltäglich, kein Hindernis. Für manche eine fast unmöglich zu überwindende Abgrenzung, was könnten Gründe sein? Ein „schlechter Pass“, keine Papiere oder auch kein Geld für ein Visum? Für andere jedoch leicht zu überwinden, sie haben vermutlich einen „guten Pass“. Auch für mich, als Besitzerin eines „guten deutschen Passes“ theoretisch ein Kinderspiel. Meine Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen an diesem Ort sind divers. Unberechenbare Staatsmänner, in Form von Grenzpersonal. Reisende, Touristen und Menschen für die diese Grenze der Heimatort ist. Tiere, die leichtfüßig hinüber gehen. Und auch eine Sprache auf der andern Seite, die die Bewegungsfreiheit einschränken kann“ (Inger Witzenhausen).

Prosa und Lyrik - prämierte Texte

Prosa und Lyrik - weitere Einsendungen

Kurzfilme

1. Platz: „If I could I would“ von Fortunate Hlatswayo

Über den Film: Fortunate Hlatswayo ist ein 14-jaehriger Poet aus Mamelodi East in Pretoria/Suedafrika. Fortunate hat neben dem Schreiben auch Poetry Slams für sich entdeckt. Im Folgenden seine eigene Gedanken über den Bezug seines Gedichts zum Thema „Bewegungsfreiheit“:

„When I wrote this poem I was very down and disappointed because I couldn’t do something that is really close to my heart, something broke my spirit and I was afraid to go and try out new things. I wanted to show people that something that is irrelevant to other people can really break and destroy someone’s passion or hope in a bad way. I felt left out and unimportant. I felt excluded because I couldn’t enter a space that I wanted to enter. I even thought I wasn’t important to my family as I wanted something that they couldn’t afford. I also blamed them because I felt that they don’t want me to be happy or do what I wanted to do because it was an unusual wish. My feelings in that situation actually showed that it was not only a small thing that I didn’t have money to follow my dream but that it actually influenced other parts in my life and determined my whole situation. I was left at a desperate space where I didn’t know what to do. I wish that the people who listen to my poem want to do something or realize that people are often limited in what they can do due to a lack of resources or money. We should not think that they don’t want to do something or judge them for their behaviour. We should rather ask ourselves what they would do if they could.“

2. Platz: „Voices of Freedom“ von Florian Kobuß

Florian Kobuß über seinen Kurzfilm: „This video was done for the March for Freedom (A self-organised Refugee March from Strasbourg to Brussels). The idea is to make their voices heard across the European borders, because no one of them has a chance to legally enter the EU. The video was done 2014 outside of Europe. All people in this video consider themselves as Refugees. Furthermore the video was done by Refugees and me (a person with a German Passport). We decided everything as a team and without the skills of the Refugees this video would not exist. The recording, cutting and subtitles where done by Refugees. We decided not to do interviews, so everybody could tell their own story or have some words pointed at politicians in Europe, the people in Europe and the deadly borders of Europe. None of the people shown in this video wanted to show their faces because of fear for their relatives and families in their country of origin. Some had fears that the participation in this video can lead to violence against their families and make their immigration even harder. NO BORDERS! NO NATIONS! JUST PEOPLE!”

2. Platz: „Dance Inc.“ von Dunja Burghardt (treibholzfilm)

Beschreibung der Filmemacherin: „Dance Inc. ist ein inklusives Kindertanz-Curriculum unter der Leitung von Dr. Thom Hecht. Kinder mit und ohne Behinderung im Alter von drei bis acht Jahren kommen zusammen, um gemeinsam zu tanzen, die Akzeptanz untereinander zu fördern und das Eingebundensein in eine Tanzgruppe mitzuerleben. In Dance Inc. gehen alle Kinder gemeinsam auf imaginäre Tanzreisen, die helfen, nicht nur ein gutes Körpergefühl zu entwickeln, der Musik zu lauschen und den Lehrern zuzuhören, sondern auch die Phantasie jedes einzelnen anregen. Die Kinder sammeln hierbei Tanzerfahrungen – je nach Beeinträchtigung bereits durch das beobachten – und lernen Grenzen zu sprengen sowie zusammen mit anderen Kindern, die besondere Fähigkeiten und Bedürfnisse haben, sich in eine Gruppe einzufühlen. Das Ziel ist es, jedem Kind entsprechend seiner Begabung eine entsprechende Förderung (kognitive, motorische und emotionale Fähigkeiten) im Kindertanz zu vermitteln und „anders-sein“ als „normal“ zu erleben. Das Pilotprojekt aus Frankfurt soll langfristig via Workshops und Wissenstransfer in Schulen, Kindergärten und anderen Tanzschulen länderübergreifend weitergegeben werden“.