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Biographische Aufarbeitung: Unterstützung einer Ausstellung über deutsche Opfer einer Militärdiktatur

Programmkomponente: ASA global
Projekt-Nr.: 0201
Seminargruppe: Seminargruppe II oder Seminargruppe V global
Dauer Projektphase: 6 Monate

Spezifikation Berufs-/Studienrichtung

Friedens- und Konfliktforschung; internationale Politik; Menschenrechte; Lateinamerikastudien

Pflichtsprache(n)

Spanisch

Sonstige Sprache(n)

Englisch

Land/Region

Argentinien | Lateinamerika und Karibik

ASA global

ASA global bietet die Möglichkeit, ein sechsmonatiges Projekt im internationalen Team zu absolvieren. Teilnehmende aus einem Land Afrikas, Asiens, Lateinamerikas oder Südosteuropas und Teilnehmende aus Deutschland besuchen die ASA-Seminare auf Englisch und verbringen ihre zwei Projektphasen bei nicht-staatlichen Organisationen der internationalen Zusammenarbeit und der Zivilgesellschaft gemeinsam; drei Monate Online oder in Präsenz bei einer Partnerinstitution in Deutschland und anschließend ebenso lange Online oder in Präsenz in einem Land Afrikas, Asiens, Lateinamerikas oder Südosteuropas.

Projektbeschreibung

Wenn Sie bereits Erfahrungen in den Bereichen wissenschaftliche und journalistische Recherche sowie Texterstellung haben und sich für biographische Aufarbeitung interessieren, sind Sie hier richtig. In diesem Projekt beschäftigen Sie sich mit Opfern einer Militärdiktatur und arbeiten Einzelschicksale für eine Ausstellung auf. Relevante Studienrichtungen sind etwa Geistes- und Sozialwissenschaften oder Rechtswissenschaften, aber auch Studierende anderer Fächer können sich bewerben. Sie sollten selbstständig arbeiten können und verschiedene digitale Werkzeuge beherrschen. Gute Spanischkenntnisse sind Voraussetzung für die Teilnahme, Englischkenntnisse ein Plus.

Die Elisabeth Käsemann Stiftung (EKS) setzt sich für eine kritische Auseinandersetzung mit autoritären Regimen, vergangenen Konflikten und deren gesellschaftlichen Nachwirkungen in Lateinamerika, Spanien und Deutschland ein. Sie fördert transnationale Dialoge über die Mechanismen autokratischer Systeme bzw. Strukturen sowie die Aufarbeitung der Vergangenheit von staatlicher und ziviler Gewalt auf gesellschaftlicher, politischer und rechtlicher Ebene. Weiterhin organisiert und begleitet die Stiftung wissenschaftliche, bildungspolitische und kulturelle Projekte. So gibt es beispielsweise interkulturelle Schulprojekte, Gedenkstättenarbeit und ein internationales Forum. Ziel ist es, die demokratische Kultur über Ländergrenzen hinweg auszubauen.

Das Museo Sitio de Memoria ESMA in Buenos Aires wurde 2015 eröffnet und befindet sich im Gebäude des ehemaligen geheimen Zentrums für Inhaftierung, Folter und Vernichtung. An diesem Ort können Lernende aus verschiedenen Klassenstufen verstehen, was über den Staatsterrorismus in Argentinien während der letzten zivil-militärischen Diktatur bekannt ist. Das Museum sieht sich als wichtiger Baustein, um Erinnerungen an nächste Generationen weiterzugeben. Es wird von Schulen genutzt, wenn sie das Thema Staatsterrorismus behandeln. Das Museum plant und gestaltet beispielsweise Workshops, Schulungen und Treffen für Lehrende. Es pflegt auch Beziehungen zu anderen lokalen und ausländischen Gedenkstätten, Museen, staatlichen bzw. nationalen Institutionen und deren Einrichtungen.  Durch die Zusammenarbeit soll der Staatsterrorismus angeprangert und im kulturellen Gedächtnis verankert werden. Zudem möchte das Museum über Menschenrechtsverletzungen aufklären und den intra- sowie intergenerationalen Dialog fördern.

Die EKS und das Museum kooperieren seit 2017. Gemeinsam setzten sie unter anderem verschiedene Schulprojekte um und beherbergen eine bedeutende Sammlung von Dokumenten zur argentinischen Militärdiktatur und der anschließenden juristischen Aufarbeitung. Außerdem pflegen sie ein breites Netzwerk im Bereich der Aufarbeitung von Gewalterfahrungen. Dieses ASA-Projekt ist eingebettet in ein großes Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt über deutsche Opfer der argentinischen Militärdiktatur. Ziele der Ausstellung sind etwa Vertiefung der professionellen deutsch-argentinischen Partnerschaft auf dem Gebiet der Erinnerungskultur und der Umgang mit einer autoritären und konfliktreichen Vergangenheit. Weiterhin sollen deutsche wie argentinische Gesellschaft für die gemeinsame Geschichte sensibilisiert werden.

Während Ihrer ersten Projektphase setzen Sie sich zunächst mit nationalen und internationalen historischen und politischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auseinander, die in Argentinien begangen wurden und deutsche sowie deutschstämmige Personen betroffen haben. Sie erarbeiten die biographischen Hintergründe von vier Einzelpersonen, recherchieren Daten, Bild- und Tonmaterial in digitalen und lokalen Archiven der Stiftung und anderen Institutionen. Daneben untersuchen Sie die Berichterstattung in verschiedenen Medien, nehmen an monatlichen Treffen der deutschen und argentinischen Partnerorganisationen des Projekts teil und erstellen Protokolle. Zu den meisten Archiven besteht ein digitaler Zugang.

Während Ihrer Projektphase in der Partnerinstitution recherchieren Sie Kontakte zu Überlebenden und Familienangehörigen sowie dem Umfeld der Opfer. Sie nehmen zu diesen Personen Kontakt auf und interviewen diese. Unter Beachtung der Persönlichkeitsrechte und des Datenschutzes erstellen Sie Bild- und Audiomaterial und versuchen, Ausstellungsstücke zu erhalten. Anschließend fassen Sie alle erarbeiteten Informationen in einer Präsentation zusammen und versuchen, diese Biographien in das Ausstellungskonzept einzubinden.

Da das Projekt abhängig von der Entwicklung der weltweiten Corona-Lage möglicherweise rein digital umgesetzt wird, sollten Sie in der Lage sein, beispielsweise Videokonferenzen und Onlineworkshops mit gängigen Anwendungen durchzuführen oder Ihre Tätigkeiten mit interaktiven digitalen Werkzeugen zu erledigen. Sie können die Angehörigen der Opfer auch digital kontaktieren und dementsprechend das Material erstellen und in das Konzept einbinden.

Die Projektphase in Deutschland findet von April bis Juni 2022 statt; im Partnerland – in Absprache mit der Partnerinstitution – zwischen Juli und Dezember 2022. Zwei bis drei ASA-Seminare finden parallel zur Projektphase in Deutschland zwischen April und Juni 2022 statt, ein weiteres im Frühjahr 2023.

Voraussetzung für die Teilnahme am ASA-Programm ist die aktive Beteiligung an den Seminaren (2022 und 2023) und an beiden Projektphasen in Deutschland und im Partnerland. Es handelt sich dabei um zwei dreimonatige Vollzeittätigkeiten. Die Projektphase in Deutschland findet in Stuttgart statt. Sollte das Projekt digital durchgeführt werden, so findet es ebenfalls in Vollzeit statt. Online-Präsenzzeiten können entsprechend der Zeitverschiebung zum Partnerland von den in Deutschland üblichen Werkzeiten abweichen.

In Zusammenarbeit mit

Elisabeth Käsemann Stiftung; Museo Sitio de Memoria ESMA - Die Zusammenarbeit findet im Präsenzmodus oder digital statt.