ASA ist ein Programm von Engagement Global

Wie Tourismus lokale Gemeinschaften stärken kannErfahrungen aus Ibanda

Tourismus mal anders

Als ich in Ibanda ankam, beeindruckten mich die Landschaft, die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen und die vielen Möglichkeiten, die in der Region stecken. Schon in den ersten Gesprächen wurde deutlich, dass die Region zwar großes Potenzial für nachhaltigen Tourismus hat, viele ländliche Gemeinden jedoch bislang nur begrenzt davon profitieren. Genau hier setzte unser ASA-Projekt an.

Gemeinsam mit der lokalen NGO REDO entwickelten meine Tandempartnerin und ich ein nachhaltiges, community-basierendes Tourismuskonzept (community based sustainable tourism) für die neue „REDO Makera Eco-Lodge“. Ziel war es, Tourismus so zu gestalten, dass nicht nur Reisende profitieren, sondern insbesondere die Umwelt und möglichst viele Menschen vor Ort.

Milan mit Mitarbeiter*innen von REDO

Mit meinem akademischen Hintergrund im Bereich „Nachhaltiger Tourismus“ wollte ich praktische Erfahrungen sammeln und gleichzeitig an einem Projekt mitarbeiten, das Umwelt- und Naturschutz mit lokaler Regionalentwicklung verbindet. Besonders spannend war die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft vor Ort. Im Laufe des Projekts erkundeten wir die Region, sprachen mit Bewohner*innen und sammelten Ideen für touristische Angebote, die Natur, Kultur und lokale Wertschöpfung zusammenbringen.

Community-based sustainable tourism (CBST) ist ein Ansatz, der auf der Einbindung von lokalen Gemeinschaften in die Planung und Umsetzung von Tourismusangeboten basiert. Ziel ist es, dass die Gemeinschaften vor Ort direkt von touristischen Aktivitäten profitieren und gleichzeitig ihre kulturellen und natürlichen Ressourcen schützen können.

Neue Arbeitsweisen, neue Perspektiven

Die ersten Wochen in Ruanda waren intensiv und herausfordernd zugleich. Ich musste mich erst an die neue Umgebung gewöhnen. Dazu gehörte auch das Verstehen und Einordnen kultureller Unterschiede im Alltag und in der Zusammenarbeit – was mir die Menschen vor Ort aber sehr leicht gemacht haben. Während ich aus Deutschland eher strukturierte und langfristig geplante Projekte gewohnt war, spielte vor Ort Flexibilität eine viel größere Rolle. Gerade diese Unterschiede haben die Zusammenarbeit spannend gemacht. Ich habe gelernt, spontaner zu arbeiten, zuzuhören und Prozesse stärker gemeinsam zu entwickeln. Trotz der Sprachbarrieren entstand schnell ein vertrauensvoller Austausch und darüber hinaus nachhaltige Freund- und Partnerschaften.

Das Kennenlernen der Umgebung und die Teilnahme an kulturellen sowie sportlichen Aktivitäten außerhalb der Arbeit haben mir geholfen, die Lebensweise vor Ort besser zu verstehen und eine tiefe Wertschätzung dafür zu entwickeln. Solche Aktivitäten funktionieren glücklicherweise mit ihrer eigenen Sprache. Milan Reddemann

Der herzliche Empfang durch die Mitarbeitenden von REDO und die lokale Gemeinschaft vor Ort halfen mir dabei. Der tägliche Austausch gab mir wertvolle Einblicke in lokale Traditionen, soziale Strukturen und die Bedeutung von nachhaltigem Tourismus als mögliche Einkommensquelle für die Zukunft. Durch Gespräche und Besuche erhielten wir ein besseres Verständnis für Potenziale und Herausforderungen des geplanten Tourismuskonzepts. Auf dieser Grundlage entwickelten wir Ideen für zehn konkrete Aktivitäten und formulierten erste Empfehlungen für die Eco-Lodge.

Milan mit seinem Freund Jean Paul

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich dank des ASA-Projekts tiefe Verbindungen und Freundschaften für das Leben gefunden habe. Das ist etwas ganz Besonderes!“ Milan Reddemann

Nach dem Projekt geht es weiter

Vor meiner Teilnahme war ich Entwicklungszusammenarbeit gegenüber eher skeptisch. In Ruanda habe ich erlebt, wie wirkungsvoll internationale Zusammenarbeit sein kann, wenn lokale Perspektiven ernst genommen werden und echte Partnerschaften entstehen.

Besonders bleiben die Beziehungen, die während dieser Zeit entstanden sind. Gemeinsam mit Freund*innen aus dem Dorf arbeite ich aktuell an Ideen für Bildungsprojekte und Freizeitangebote für Jugendliche in Ibanda. Und hatte das Glück nach meinem Masterabschluss die Gemeinde für einen Monat wieder zu besuchen.

Für mich ist das ASA-Projekt deshalb keine abgeschlossene Erfahrung, sondern der Beginn eines längeren Lernprozesses und Partnerschaften, die ein Leben lang halten werden. Arbeiten in einem anderen kulturellen Kontext bedeutet, eigene Routinen zu hinterfragen, flexibel zu bleiben und wirklich zuzuhören. Danke an alle, die das Projekt zu dem gemacht haben, was es geworden ist!